Meine Erlebnisse auf dem Amt

Also, ich bin jetzt zum Amt gegangen, natürlich mit der Bibel unter dem Arm, und habe vom dortigen Sachbearbeiter gefordert, dass er mir einen Sklaven beschaffe, wenn möglich einen Franzosen. Doch der hat mich nur verständnislos angeguckt, und gemeint, ob ich einen Vogel hätte?

HALLO, dem habe ich aber was gegeigt!

Ich habe ihm natürlich aus der Bibel, Buch Levitikus, Kapitel 25, Vers 44-46 vorgelesen, worin deutlich geschrieben steht, dass ich mir Sklaven halten darf. Doch auch das hat ihn nicht beeindruckt.

Dann habe ich ihm aus dem Grundgesetz zitiert, und zwar die ersten Worte aus der Präambel: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott…“

und aus den Grundrechten Artikel 4:
„(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“
„(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

Und dann habe ich ihn noch gefragt, ob er sich vor Gott versündigen will?

Danach schien er mir doch schon ziemlich verzweifelt zu sein, was mich natürlich darin bestärkte, noch vehementer meinen Anspruch auf einen Sklaven geltend zu machen. Er hat dann, mit Schweissperlen auf der Stirne, den Amtsvorsteher gerufen.

Der hat mir ganz ruhig zugehört und gemeint, das sei kein Problem, er könne mir schon helfen, ich solle doch einfach ein paar Minuten warten, er würde sich um alles kümmern.

HA, Hartnäckigkeit lohnt sich also doch!

Naja, es kam dann nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe, denn plötzlich erschienen zwei Weisskittel im Amtszimmer, die mich in so eine komische Jacke steckten und mir damit die Arme festbanden, so dass ich gar nichts mehr tun konnte.

Ich wurde dann nach einer kurzen Autofahrt in ein kahles, weisses Zimmer verfrachtet, das nur mit einem kleinen vergitterten Fenster ausgestattet war und dessen Wände vollständig gepolstert waren. Komischer Ort.

Nach 24 Stunden haben mich dann so arrogante Obergurus – die liessen sich alle mit Professor und Doktor anreden, diese Spinner – stundenlang verhört, und das bis zu meiner totalen Erschöpfung. Danach musste ich nochmals ein paar Stunden warten, bis ich endlich meine Freiheit wieder geniessen konnte.

Auf dem Weg nach draussen habe ich dann so einen Weisskittel – er nannte sich Wärter, wie in einem Zoo, lachhaft – gefragt, was denn los sei und was ihm die Obergurus gesagt hätten. Er meinte nur: „Ach nix“ und murmelte sowas wie „harmloser Spinner“ in seinen nicht vorhandenen Bart. Frechheit!

Aber dem Hein, der mir das alles eingebrockt hat, dem werde ich was geigen, darauf kann der sich verlassen.

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